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Wenn das Alpgefühl ruft

  • vor 7 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Alpsennkurs zieht bundesweit Interessierte nach Wangen


Bereits zum zweiten Mal hat das Landwirtschaftliche Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) angehende Älpler auf den Alpsommer vorbereitet. Handwerkliches Käsen, Melken und Kühe und Jungvieh auf der Alp halten – innerhalb von dreieinhalb Tagen traf geballtes Wissen auf die 24 Teilnehmenden aus ganz Deutschland.


Käsen will gelernt sein: Ausbilder Magnus Meinert erklärt einer Gruppe, wie Milch zu gutem Käse verarbeitet wird. Foto: Andreas Crepaz
Käsen will gelernt sein: Ausbilder Magnus Meinert erklärt einer Gruppe, wie Milch zu gutem Käse verarbeitet wird. Foto: Andreas Crepaz

Rund 17.000 Alpstellen werden pro Sommer allein in der Schweiz vergeben. Was für viele nach einer monatelangen, romantischen Idylle mit Sonnenaufgang in den Bergen klingt, fordert in Wahrheit breitgefächertes Fachwissen, Ausdauer und Geschick. So haben sich engagierte Mitarbeitende des LAZBW in Wangen jüngst zum zweiten Mal aufgemacht, künftige Älpler mit dem erforderlichen Fachwissen und praktischen Erfahrungswerten auszustatten.


Im Mittelpunkt stand dabei das handwerkliche Herstellen von Hartkäse, Schnittkäse, Butter und Ricotta. „Käsen bedeutet ganz einfach ausgedrückt, dass ich der Milch durch verschiedene Prozesse Wasser entziehe und die Milch haltbar mache“, verdeutlichte Magnus Meinert, Ausbilder an der Lehr- und Versuchsmolkerei des LAZBW. Die Teilnehmenden übten sich daher praktisch am Käsekessel, am Butterfass und beim Schmieren des Käses im Reifekeller.


Besonderer Fokus lag auf den erschwerten Gegebenheiten einer Alpe. Denn wo modern ausgestattete Molkereien mit Hightech-Geräten für gleichbleibende Temperaturen und Luftfeuchtigkeit sorgen, kann das sogenannte Sennen auf 2000 Metern Höhe schnell an Grenzen bringen: „Kein elektrischer Strom, Käsekessel über offenem Feuer, schwankende Temperaturen zum Käsen und Reifen lassen, herausfordernde Hygienebedingungen, aufwändiges Reinigen von Melkgeschirr und Käseutensilien. Die Liste ist lang und kann beliebig fortgesetzt werden“, zählte Ausbildungsberater und Kursinitiator Dominik Hänsler auf, der selbst schon mehrfach auf der Alp beim Sennen war.


Das gilt auch für die Molkereimeisterin Luisa Meyer, die den Kurs gemeinsam mit ihren Kollegen entwickelt hat und deren Herz für die Alp schlägt: „Wo Lebensmittel verantwortlich produziert werden, braucht es vor allem auch theoretisches Grundwissen“, sagte sie. „Beginnend bei Hygienemaßnahmen und -indikatoren, Inhaltsstoffen der Milch, Stoffwechselprozessen beim Käsen bis zum Umgang mit Mikroorganismen und gesetzlichen Grundlagen.“ Einer hochkonzentrierten Dosis gleich erhielten die Teilnehmenden grundlegende Einblicke in das umfangreiche Fachwissen rund um die Milchverarbeitung.


Doch was wäre ein Alpsennkurs ohne diejenige, die das wertvolle Lebensmittel Milch produziert? So stand die Kuh an allen Tagen gleich mehrfach im Rampenlicht. Sei es beim Probemelken auf einem nahe gelegenen Bauernhof mit angeschlossener Hofkäserei, beim Klauenschneiden, beim Weidemanagement von Alpen und der spezifischen Fütterung von Milchkühen, bei der Eutergesundheit oder beim Erkennen von Krankheiten und wie damit umzugehen ist.


Besonderes Schmankerl war ein Abend mit verschiedenen Berichten erfahrener Älpler und Tipps zum Alpsommer - von der Stellensuche über Melken im Bierzelt bis zum Umgang mit zwischenmenschlichen Themen.


„Rundum gelungen“, war das einstimmige Fazit der Teilnehmenden, die aus allen Teilen Deutschlands angereist und unterschiedlich erfahren waren. Mit kostbarem Input von insgesamt acht Referenten werden die meisten davon ab Mai auf Alpfahrt gehen. Der Kurs war sowohl für angehende Senner, Zusenner, Hirten aber auch für Interessierte an der handwerklichen Käseherstellung ausgeschrieben.


Text: Katharina Stohr


  • Veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung Wangen am 02.03.2026

  • Veröffentlicht auf der Website des LAZBW

 
 
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